Der Mythos von den harmonischen Naturvölkern

Veröffentlicht am 27. Juli 2011

Das Lied "Cortez the Killer" von Neil Young, welches vom Rolling Stone Magazin auf Platz 321 der besten Songs aller Zeiten gewählt wurde, beinhaltet folgende Textzeilen:


Am Ufer lag Montezuma
Mit seinen Kokablättern und Perlen
In seinen Sälen wunderte er sich oft
Über die Geheimnisse der Welt.

Und seine Untertanen versammelten sich um ihn
Wie die Blätter um einen Baum
In ihren Kleidern aus vielen Farben
Damit die erzürnten Götter sie sehen würden.


Und die Frauen waren alle schön
Und die Männer standen aufrecht und stark
Sie gaben Leben als Opferungen
Damit andere weiterleben konnten.

Haß war nur eine Legende
Und Krieg war niemals bekannt
Die Menschen arbeiteten zusammen
Und sie hoben viele Steine.(1)

Was in Neil Youngs Song von 1975 zum Ausdruck kommt, ist eine romantische Vorstellung von Naturvölkern, wie sie sicherlich auch heute noch in den Köpfen vieler Menschen existiert. Erfolgreiche Filme wie zuletzt "The New World" oder "Avatar", und schon ältere Klassiker wie "Der mit dem Wolf tanzt", sind Ausdruck dieser Verklärung des Lebens von Naturvölkern. Es heißt, sie würden im Einklang mit sich, ihren Nachbarn und der Natur leben, während der Stadtbevölkerung der westlichen Welt jegliche Beziehung zur Natur und interner sozialer Zusammenhalt verloren gegangen seien, was zu allerlei sozialen Konflikten, individuellen Depressionen, Selbstmord, Kriminalität aller Art, Mord und Krieg führen würde. Diese Vorstellung ist alles andere als neu.
Schon antike Denker wie Aristophanes und Tacitus drückten dergleichen aus. Aber erst im 18. Jahrhundert gewann diese Sichtweise enorm an Bedeutung. Durch die zunehmende Verstädterung traten soziale Konflikte deutlicher ans Tageslicht. Der französische Philosoph Jean-Jacques Rousseau führte den Begriff des "Edlen Wilden" zu jener Zeit in den allgemeinen Sprachgebrauch ein. Hand in Hand mit dem Bild von der harmonischen Geselligkeit des "Wilden" ging aber auch die Vorstellung vom Untermenschen, der eher einem Affen oder einem Ungeheuer gleiche. Rousseau gründete sein berühmtes Portrait des "Edlen Wilden" zum Beispiel auf die Beschreibung eines Orang-Utans.(2)

Mit dem expandierenden Kolonialismus im 19. Jahrhundert kam der Westen in engsten Kontakt mit einer Vielzahl fremder Kulturen und Lebensweisen. Einflußreiche Forscher wie W.H. Morgan, Henry Maine, Max Weber und nicht zuletzt Karl Marx bescheinigten dem neuen Stadtmenschen einen Verlust seines harmonischen Sinns für die Gemeinschaft, den sich die Naturvölker noch bewahrt hätten. Anthropologen und Ethnologen studierten primitive Gesellschaften, die oft isoliert von den Einflüssen fortschrittlicherer Kulturen für Hunderte von Jahren vor sich hinexistiert hatten. Ihre Berichte fügten sich in das idealisierte Bild der Naturvölker. So schrieb Jane Belo zum Beispiel über die Balinesen: "Die Säuglinge weinen nicht, die kleinen Jungen balgen nicht, die jungen Mädchen benehmen sich mit Anstand... Jeder erfüllt die ihm übertragende Aufgabe voll Respekt für die ihm Gleichgestellten und die ihm Übergeordne-ten und mit Sanftheit und Rücksichtnahme für die von ihm Abhängigen."(3) Dieser harmonische Zustand soll einst in allen menschlichen Gesellschaften geherrscht haben. Der Anthropologe Robin Fox beschrieb die Umwelt der Menschheit in der Steinzeit als eine, in der "...eine Harmonie der Merkmale, die wir als Spezies entwickelt hatten, einschließlich unserer Intelligenz, unserer Einbildungskraft, unserer Gewalttätigkeit, unserer Vernunft und unseren Leidenschaften bestand. Diese Harmonie haben wir verloren."(4)

Durch die fortschrittlichen antirassistischen Entwicklungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts überkam man die Ansicht, Angehörige von Naturvölkern seien in irgendeiner Form "Untermenschen". Was blieb vom Bild des "Edlen Wilden" war lediglich das Edle, das harmonische Zusammenleben. Möglicherweise wurde auch ein Teil der Vorstellung vom "Edlen Wilden" auf die Tierwelt projeziert. Jane Goodall und ihre vermenschlichten, verklärten "Gorillas im Nebel" mögen hier als Beispiel dienen. Auch der Film "Instinkt" mit Anthony Hopkins zielt in die gleiche Richtung.

Wenn die Anthropologen des 19. und 20. Jahrhunderts primitive Gesellschaften vorfanden, die offensichtlich nicht in völliger Harmonie lebten, schrieben sie diesen Zustand den desorganisierenden Wirkungen des Kontakts mit anderen Kulturen zu, zumeist der europäischen. Darüber hinaus waren (und sind) Funktionalismus bzw. Adaptivismus in der Anthropologie und Ethnologie weit verbreitet. Danach wird auch extrem unmoralischen Praktiken wie rituellen Verge-waltigungen, Kindesmord und Sklaverei eine positive gesellschaftliche Funktion unterstellt. Das Leid des einzelnen, der nicht selten mit dem Leben für diese Praktiken bezahlen muß, soll auf die eine oder andere, oft nicht näher beschriebene Weise das soziale Miteinander aufrechterhalten. Dem führenden Funktionalisten der 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts, Bronislaw Malinowski, zufolge "...erfüllt jede Art Zivilisation, jeder Brauch, jedes materielle Objekt, jede Idee und jeder Glaube eine lebenswichtige Funktion; sie hat irgendeine Aufgabe zu erfüllen und repräsentiert einen unverzichtbaren Teil innerhalb eines funktionierenden Ganzen."(5)

Daß solche kulturrelativistischen Vorstellungen nichts als "sentimentaler Unsinn"(6) sind, wird hoffentlich aus den nun folgenden Ausführungen ersichtlich. Die Beispiele sind dem Buch "Trügerische Paradiese - Der Mythos von den glücklichen Naturvölkern" von Robert B. Edgerton (7) entnommen.
Eine der großen Anklagen gegen die westliche Kultur ist, daß ihr der menschliche Zusammenhalt verloren gegangen sei. Und natürlich stimmt dies insofern, als daß man in einer Stadt von vielen tausend Menschen nicht jeden persönlich kennen kann. Dagegen wird vermutet, daß kleine Stämme von Naturvölkern einen sehr starken Zusammenhalt besitzen und sich persönlich umeinander sorgen. Sicher mag dies in einigen Fällen zutreffen, ebenso wie es in einigen Gemeinden und Dörfern der westlichen Welt zutreffen mag. Aber es gibt auch eindeutig andere Beispiele.

Allan R. Holmberg lebte 1941 und 1942 mit den Sirionó-Indianern im bolivianischen Regenwald. Er war nach eigenen Angaben häufig verblüfft über den geringen sozialen Zusammenhalt, sogar unter Familien. So berichtete er von einer Begebenheit, als ein Mann allein auf die Jagd gegangen war und, von der Dunkelheit überrascht, den Weg zurück zum Lager nicht mehr fand. In großer Angst rief er wiederholt um Hilfe, aber seine Verwandten, die ihn im Lager hören konnten, antworteten nicht. Nach einer halben Stunde hörten die Rufe auf, woraufhin die Schwester des unglücklichen Jägers meinte: "Wahrscheinlich hat ihn ein Jaguar erwischt."(8) Tatsächlich überlebte der Mann jedoch, indem er die Nacht auf einem Baum verbrachte. Bei seiner Rückkehr am nächsten Morgen wurde er von niemandem empfangen. Anstatt glücklich über die Rückkehr ihres Bruders zu sein, beschwerte sich die Schwester noch darüber, daß er nur einen geringen Teil seiner Beute mit ihr teilen wollte.

Wie Holmberg weiter festhielt, war den Sirionó das Ergattern von Nahrung weitaus wichtiger als irgendwelche sozialen Praktiken, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt hätten fördern können. In unserer westlichen Gesellschaft hat das gemeinsame Mahl einen hohen Stellenwert und führt zu größerer sozialer Nähe. Die Sirionó aßen häufig allein im Wald und waren erfinderisch, was das Verbergen weiterer Nahrung betraf. So versteckten die Frauen mitunter Nahrung in der Vagina.

Die soziale Kälte der bolivianischen Eingeborenen erreichte ihren Höhepunkt in Verbindung mit kranken und alten Menschen. Betagte Stammesangehörige, die Probleme hatten, dem nomadischen Lebensstil zu folgen, wurden ohne Erbarmen zurückgelassen. Sie krochen der aufbrechenden Gruppe hinterher, bis sie kraftlos zusammenbrachen und allein im Wald starben. Das gleiche Schicksal drohte jedem, der so krank wurde, daß er der Gruppe bei ihren Wanderungen nicht mehr aus eigener Kraft folgen konnte. Natürlich führte dies zu panischer Angst davor, krank zu werden. Als wichtigstes Krankheitssymptom galt den Sirionó, daß jemand keinen Appetit mehr entwickelte. Wenn sich also jemand krank fühlte, aß er besonders viel, um vorzutäuschen, nicht krank zu sein. Das konnte soweit gehen, daß Kranke sich zwangen, solche Unmengen an sauren Früchten und ähnlichem zu verschlingen, daß sie letztlich daran starben.(9)

Ein anderes Beispiel für fehlenden sozialen Zusammenhalt stammt aus Afrika. Der berühmte Anthropologe Colin Turnbull war so entsetzt über das enthumanisierte, rücksichtslose Verhalten der Ik, daß er einem Beamten der ugandischen Regierung riet, sie mit Gewalt zusammenzutreiben und über das ganze Land zu zerstreuen. Es ging Turnbull nicht darum, die unterernährten Ik vor dem Hungertod zu bewahren. Vielmehr wollte er sicherstellen, daß "ihre asoziale, lieblose Kultur zusammen mit ihnen ausstürbe und so nie mehr andere Menschen verderbe."(10)

Medizin

In der westlichen Welt, besonders in esoterischen Kreisen, ist das Bild des "weisen Schamanen" ein wichtiger Bestandteil des Mythos der harmonischen Naturvölker. In der Realität zeigt sich jedoch ein sehr trostloses Bild

Wie viele andere Naturvölker besaßen auch die Sirionó keinerlei medizinisches Verständnis. Krankheiten wurden schlicht von bösen Geistern verursacht. Weder half man Kranken (sie lagen oft bei Regen ungeschützt im Freien) noch wurden irgendwelche Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Die Kinder durften in ihren eigenen Exkrementen spielen und man achtete auch nicht darauf, daß die Fäkalien vom Trinkwasser ferngehalten wurden.

Gerade der fehlende Schutz der Kinder ist bei vielen Naturvölkern zu beobachten. Afrikanische Hirtenvölker wie die Massai, die Pokot oder Samburu entfernen den Kindern grundsätzlich keine Fliegen von den Augen, weil Fliegen mit Rinderkot in Verbindung stehen und Rinder der größte Reichtum sind. Einige Kinder stecken sich so mit Granulose an, die von den Fliegen übertragen wird. Blindheit ist oft die Folge. Bilder von fliegen-befallenen Kindergesichtern werden in den westlichen Medien gerne als Indiz für die elenden Zustände in Teilen Afrikas verwendet. In Wahrheit liegen die Ursachen in einem quasireligiösen Aberglauben von der Heiligkeit der Kühe, des Kuhdungs und damit auch der Fliegen.

Die Yoruba in Nigeria verabreichten Kindern, die an Krämpfen litten, eine übelriechende Mixture aus Tabak-blättern, Urin und manchmal noch Gin. Das Gebräu enthielt dermaßen viel Nikotin, daß die Kinder ins Koma fielen und nur gerettet werden konnten, da sie von den anwesenden Anthropologen in ein nahegelegenes Krankenhaus nach westlichem Vorbild gebracht wurden.(11)
Bei den Pokot in Kenia bestand die "Behandlung" von Stammesangehörigen, die an Psychosen litten, darin, daß sie zunächst mit Gewalt zu Boden gedrückt wurden. Dann schlug man ihnen mit einem recht großen Stein längere Zeit auf den Kopf.  Diese wahrlich steinzeitliche Praxis forderte nicht wenige Leben.(12)

Auch die Serbei in Uganda standen Krankheiten absolut hilflos gegenüber. Wenn jemand an Kopfschmerzen litt, wurde ihm eine rotglühende Speerspitze auf die Stirn gedrückt. Die Kopfschmerzen traten dadurch mit Sicherheit in den Hintergrund und wahrscheinlich machte kein Patient nach einer solchen Behandlung mehr den Fehler, sich über Kopfschmerzen zu beschweren.

Die Netsilik-Inuit im Norden Kanadas glaubten, ein Säugling würde bei der Geburt einen giftigen Dampf absondern. Deshalb wurden Schwangere zur Geburt allein in ein Zelt gesperrt. Wenn es Komplikationen gab, rief man bestenfalls einen Medizinmann herbei, der versuchte, durch Beschwörungsformeln böse Geister auszutreiben. Anfassen durfte er die Schwangere nicht.(13)

Insgesamt war und ist die Lebenserwartung bei vielen Naturvölkern aufgrund fehlender Medizin sehr gering. Bei den berühmten Yanomami-Indianern in Venezuela erreichten lediglich 22% der Bevölkerung das 30. Lebensjahr. Bei den Xavante in Brasilien waren es sogar nur 15,4%.(14)

Wenn man seine Umwelt nicht versteht, wenn man nicht weiß, woher Krankheiten kommen, dann ist es vor allem Furcht, die das Leben bestimmt. Dement-sprechend antwortete ein "weiser Mann" der Igluik-Inuit, der nach seinen Glaubensvorstellungen befragt wurde: "Was wir glauben? Wir glauben nicht, wir fürchten uns nur."(15) Diese Furcht manifestiert sich, wie z.B. bei den Sirionó, in einem weitverbreiteten und tiefverwurzelten Glauben an Dämonen, Hexen und Menschen mit dem "bösen Blick". Es ist wohl kein Zufall, daß die wahnsinnige Verfolgung und Verbrennung von Hexen in Europa einherging mit der Verstäd-terung, die durch fehlende Hygiene zunächst viele Krankheiten nach sich zog. In Paris wurden Fäkalien noch bis ins 17. Jahrhundert einfach auf die Straßen gegossen. Die daraus resultierenden Erkrankungen wurden nicht mit diesen Praktiken in Verbindung gebracht, sondern auf Hexen und Magier geschoben. Erst der wissenschaftliche Fortschritt ermöglichte Verständnis und eine ordentliche Medizin. Viele Naturvölker sind davon weit entfernt. Manche mögen zwar durch Zufall auf ein Kraut gestossen sein, daß bei einer bestimmten Krankheit Linderung beschert, aber in der Regel sind die Angehörigen primitiver Völker von Dämonen- und Hexenglauben besessen.

Bei den Gebusi in Papua-Neuguinea führte ein virulenter Hexenglaube z.B. dazu, daß diese kleine Gesellschaft eine der höchsten Mordraten weltweit besaß. Etwa ein Drittel aller Todesfälle waren Hinrichtungen von Hexen.(16) Der Aberglaube vieler Naturvölker kann noch viele weitere Formen annehmen. Die Skidi Pawnee-Indianer in Nebraska brachten Menschenopfer dar, um den heiligen Morgenstern gnädig zu stimmen. Das ging mindestens bis 1834 so, vielleicht sogar noch viel länger.(17)

Die Inuit, die zwar sehr gute Technologien zum Überleben in ihrer harschen Umgebung entwickelt hatten, glaubten doch ganz fest an alle möglichen gefährlichen Ungeheuer und übernatürlichen Wesen. Dazu gehörten Meerjungfrauen, die Menschen erst verführten und dann töteten, riesige Vögel, die einen Erwachsenen davontragen konnten, gewaltige Fische, die Jäger mit einem Biß komplett verschlingen konnten. Dieser Aberglaube hielt sie z.B. davon ab, gute Fischgründe zu besuchen oder vorteilhafte Lagerplätze zu benutzen. Allerlei weitere Gespenster machten ihnen Angst. Sogenannte "wilde Babies" sollten nachts an bestimmten Orten auftauchen und Inuit, die dort schliefen, zu Tode kitzeln.

Kinder

Der Inuit-Glaube an gefährliche "wilde Babies" und giftige Dämpfe während der Geburt, und die Praxis der Massai, ihre Kinder nicht von Fliegen zu befreien, sind gute Beispiele dafür, welch gestörtes Verhältnis viele Eltern in Naturvölkern zu ihren Kindern haben.

Wir alle kennen die Bilder von schrecklich unterernährten Kleinkindern, z.B. aus Äthiopien. Da in westlichen Gesellschaften das Wohl der Kinder in der Regel sehr wichtig ist und Eltern eher selbst hungern, als daß sie ihre Kinder hungern sehen, glauben wir, wenn es den afrikanischen Kindern schon so schlecht geht, müsse es den Erwachsenen noch schlechter gehen. Aber das ist häufig nicht der Fall. In Äthiopien, wie in weiten Teilen Ostafrikas, ist es Sitte, daß das jüngste Kind nur das Essen bekommt, das der Vater, die Mutter, die älteren Kinder und die Gäste nicht aufgegessen haben. Dort heißt es nicht, Kinder zuerst, sondern Männer, Gäste, Frauen und ältere Geschwister zuerst.(18) Natürlich bedeutet das nicht, daß es keinen Hunger unter Erwachsenen gibt. Aber die schok-kierenden Bilder, die manchmal im Fernsehen gezeigt werden und sicherlich im "kollektiven Bewußtsein" der westlichen Welt verankert sind, düften in vielen Fällen auf die Tatsache zurückzuführen sein, daß die jüngsten Kinder nur dann Nahrung bekommen, wenn mehr als genug für alle da ist.

Nicht nur in vielen Stammesgesellschaften Afrikas stehen Kleinkinder an letzter Stelle der sozialen Rangfolge. Kindesmord war eine weitverbreitete Praxis überall auf der Welt. Bei den Yanomami-Indianern gab es eine Regel, wonach es einer Frau vom Zeitpunkt der Entdeckung ihrer Schwangerschaft bis zur Entwöhnung des Kindes verboten war, mit einem Mann Sex zu haben. Anstatt aber diese lange Zeit abzuwarten oder das Tabu aufzugeben, töteten manche Paare ihre Säuglinge, um danach wieder gesellschaftlich abgesegneten Sex haben zu können.(19) Dies führte dazu, daß bei den Yanomami unglaubliche 43% aller weiblichen Kinder das erste Lebensjahr nicht überlebten.(20)
Die Ijaw in Nigeria, die sich zwar mehr Kinder wünschten, töteten jedoch grundsätzlich alle Zwillinge, selbst noch, als die britische Regierung dies als Mord einstufte und unter Strafe stellte. Auf die Frage, warum sie Zwillinge töten würden, antworteten die Ijaw: "Weil unsere Vorfahren es schon so gemacht haben."(21)

Frauen

Hilflosen Menschen in Stammesgesellschaften -- Alten, Kranken, Kindern -- ergeht es häufig besonders schlecht. Aber auch Frauen werden im allgemeinen durch die körperlich überlegenen Männer unter-drückt. Noch relativ gesittet ging es bei den Tasmaniern zu, die im 18. Jahrhundert zum erstenmal in Kontakt mit Europäern gerieten. Sie lebten in kleinen Stämmen von 40 bis 50 Menschen und ernährten sich hauptsächlich von Schalentiere und, in geringerem Maße, von der Jagd auf Waldtiere. Dabei war es so, daß praktisch alle Tätigkeiten, besonders aber die gefährlichsten, den Frauen zufielen. Die Männer blieben im Lager und unterhielten sich angeregt, während die Frauen Wasser und Feuerholz heran-schleppen mußten.
Das lebensgefährliche Tauchen nach Schalentieren wurde ebenfalls ausschließlich von Frauen übernommen, wobei sie mit scharfkantigen Felsen, unberechenbaren Strömungen und giftigen Stachelrochen zu kämpfen hatten. Sie erschlugen auch Opposums und schwammen an schlafende Seehunde heran, um sie mit primitiven Holzkeulen zu erlegen. Wenn die Männer auf die Jagd gingen, dann um daran Spaß zu haben. Sie stellten Kanguruhs und Wallabies nach, die keinerlei Gefahr bedeuteten.

Trotz ihrer überragenden wirtschaftlichen Bedeutungen wurden die Frauen von den Männern schlecht behandelt, z.B. dadurch, daß man ihnen wohlschmeckende Nahrung vorenthielt. Im Winter, wenn das Nahrungsangebot zurückging, standen die Tasmanier oft kurz vor dem Hundertod. Dennoch weigerten sich die Männer, entscheidend an der Nahrungsbeschaffung mitzuwirken. Das ganze Dilemma wurde noch durch die irrationale Weigerung verstärkt, Fische zu verzehren, die es in Massen in den umliegenden Gewässern gab. Als den Tasmaniern von Europäern gekochter Fisch angeboten wurde, lehnten sie angeekelt ab.(22) So wenig sie mit dem angebotenen Fisch anfangen konnten, so begeistert waren sie doch von den Hunden, die die Europäer mitgebracht hatten. Gerne tauschten sie ihre Frauen gegen Hunde, was natürlich zu weiteren wirtschaftlichen und sozialen Problemen führte. Jeder Stamm sah sich gezwungen, von Nachbarstämmen Frauen zu stehlen, was zu mörderischen Stammesfehden führte.

Insgesamt waren die Tasmanier alles andere als gut angepaßt an ihre Umgebung. Sie bauten keine Hütten und besaßen keine Kleidung, so daß sie im Winter nicht nur hungerten, sondern auch ganz erbärmlich froren. Sie konnten nicht einmal selbst Feuer machen. Irgendein Mitglied des Stammes mußte ständig ein Stück brennendes Holz mit sich herumtragen. Natürlich erkrankten sie häufig, aber auch in Sachen Medizin waren sie hoffnungslos primitiv. Ihre wichtigste "Behandlungsmethode" bestand darin, den Patienten auszupeitschen, bis dieser völlig blutüberströmt und entkräftet war. Bevor die Europäer kamen, verhinderte allein die völlige Isolation der Tasmanier die Auflösung der Stammesgesellschaften. Aber einmal in Kontakt mit einer anderen Kultur gekommen, brach die tasmanische Gesellschaft in kürzester Zeit zusammen.

Die tasmanischen Männer waren nicht die einzigen, die Frauen bessere Nahrung vorenthielten. Den Inuit der Hudson Bay galt gekochtes Fleisch traditionell als "Männeressen, das zu gut für Frauen" war.(23) Bei den Fore auf Papua-Neuguinea führte das Vorenthalten von Tierfleisch dazu, daß die Frauen und Kinder in ihrer Not das Fleisch verstorbener Verwandter aßen. Hierdurch erkrankten sie nicht selten an "kuru", einer tödlichen Viruserkrankung, die durch Kannibalismus übertragen wird.(24)

Wenn es nicht um Nahrung ging, ging es meist um Sex. Die Männer der Mehinaku-Indianer in Brasilien drohten ihren Frauen regelmäßig Gruppenver-gewaltigungen an.(25) Bei den Gusii in Kenia war die Vergewaltigung nicht nur eine Drohung, sondern praktisch institutionalisiert. In der Hochzeitsnacht war es Brauch für die Frau, sich ihrem Bräutigam durch verschiedenste Tricks zu widersetzen. Dazu gehörte auch das Verknoten der Schambehaarung über der Vagina. Vor der Tür standen jedoch die Freunde des Bräutigams bereit, die irgendwann einschritten, die Braut festhielten und ihre Beine mit Gewalt spreizten. Die traditionelle Aufgabe des Bräutigams bestand dann darin, den Geschlechtsverkehr mindestens sechsmal in der einen Nacht zu wiederholen, wobei er der Frau so viele Schmerzen wie möglich zufügen sollte.(26) Insgesamt gab es bei den Gusii eine viermal höhere Vergewaltigungsrate als zur gleichen Zeit in den USA. 1950 wurden so viele Männer wegen Vergewaltigung verurteilt, daß es nicht genug Gefängniszellen gab.

Man kann sich leicht vorstellen, was für eine Atmosphäre des Hasses und Mißtrauens zwischen Männern und Frauen in solchen Gesellschaften herrschen muß. Bei den Pokot in Kenia aßen die Männer grundsätzlich keine Speisen, die von einer ihrer Frauen zubereitet worden waren, da sie Angst hatten, vergiftet zu werden. Ähnliches gab es auch bei den Kamba und den Sebei in Uganda.(27)

Durch die sozialen Spannungen zwischen den Geschlechtern, das weitgehende Desinteresse am Wohl der eigenen Kinder und älterer Menschen, und durch die vielen unbewältigten Probleme, was Nahrungsbeschaffung, Medizin und Unterkunft anging, gab es bei vielen Naturvölkern große Probleme mit Depressionen und Selbstmord. Bei den Bimin-Kuskusmin in Papua-Neuguinea stellte der Anthropologe F. P. Poole eine Selbstmordquote von 10% für die letzten sechs Genera-tionen fest. Er selbst beobachtete in der kurzen Zeit, die er mit den Bimin-Kuskusmin lebte, daß von 58 Todesfällen 30 auf Selbstmord zurückzuführen waren. Das sind 57%. Die Anzahl an Selbstmorddrohungen und gescheiterten Versuchen war ebenfalls enorm hoch. 67 Frauen drohten 93mal ernsthaft mit Selbst-mord.(28)

Weitere Formen der Gewalt

Zum Mythos der harmonischen Naturvölker gehört in vielen Fällen auch die Unterstellung von Pazifismus und einem generell großen Mitgefühl für alles Lebendige. Wenn jedoch Alte und Kranke gnadenlos zurückgelassen werden, wenn Menschen geopfert werden, um Geister und Dämonen zu vertreiben, wenn Frauen vergewaltigt werden, wenn Kinder gequält und ermordet werden, dann wird es kaum überraschen, bei Naturvölkern auch all die anderen schrecklichen Praktiken zu entdecken, die gerne der modernen Zivilisation zugeschrieben werden.

Die Inuit ermutigten ihre Kinder zum Beispiel, kleine Tiere und Vögel zu Tode zu quälen. Die Erwachsenen wurden oft dabei beobachtet, wie sie tödlich verwundete Tiere verhöhnten und schlugen.(29) Nicht besser erging es ihren eigenen Hunden, die sich beim Ziehen der Schlitten verletzt hatten. Bevor sie zum Sterben zurückgelassen wurden, malträtierte man sie erbarmungslos mit Tritten und Peitschenhieben.(30)

Die Mbuti im Kongo gingen nicht besser mit ihren Hunden um, auf die sie, wie die Inuit, bei der Jagd angewiesen waren. Vom ersten Tag als Welpe bis zum Tod wurden die Hunde ständig getreten. Colin Turnbull war regelrecht entsetzt, als er sah, mit welchem Vergnügen die Mbuti den qualvollen Todeskampf verwundeter Tiere beobachteten.(31)

Die Machiguenga-Indianer im peruanischen Amazonasgebiet rieben ihren Jagdhunden Chili-Schoten in die Schnauze und zwangen sie dann, diese herunterzuschlucken. Und zwar "...eher zum Spaß, den sie daraus bezogen, daß sie zusahen, wie die Tiere aufheulten, wie verrückt umherliefen und sich in Qualen wanden, als zur Vorbereitung auf die Jagd."(32)

Wie schon bei der Hexenjagd, die in den vorwissenschaftlichen Gesellschaften Europas weitverbreitet war, und die ebenfalls bei vielen Naturvölkern beobachtet werden konnte, so war es auch mit Kriegen und Sklavenhaltung. Die Chumash-Indianer Kaliforniens hatten nicht nur soziale Klassen, die auf einem ausgefeilten Muschelgeldsystem beruhten, sondern auch rechtlose Sklaven. Ebenso die Kwakiutl-Indianer von Vancouver-Island. Bei ihnen machten die Sklaven bis zu 15% der gesamten Bevölkerung aus. Alle Sklaven waren dort das Eigentum der Häuptlinge.

In vielen romantisch verklärenden Darstellungen werden die Häuptlinge primitiver Gesellschaften als weise, gutherzige Anführer portraitiert, denen am Wohl ihrer Untertanen gelegen ist. In Wahrheit beruhten die proto-politischen Systeme vieler Stämme auf brutaler Gewalt, "sie Schreckensregime zu nenne, wäre gar nicht so falsch".(33) Bemba-Häuptlinge in Simbabwe nahmen an ihren Untertanen z.B. "wüste Verstümmelungen" vor, einfach nur, weil sie das Gefühl hatten, verbal beleidigt worden zu sein.(34) Unter der Führung des berühmten Shaka zeigten die mächtigen Zulu-Armeen keine Gnade mit unterlegenen Stämmen. Sie töteten Frauen und Kinder ohne Rücksicht. So zogen die Zulu 1826 gegen die Ndwandwe in den Krieg. Nach nur eineinhalb Stunden war das Gemetzel vorbei. 40.000 Männer, Frauen und Kinder waren abgeschlachtet worden. Umliegende Stämme flohen in Todesangst und so gab es weite Landstriche um das Zulureich, die völlig entvölkert waren.

Shaka benutzte brutalsten Terror auch gegen die eigene Bevölkerung. Seine Henker folgten ihm überall hin und er brauchte nur einen Finger krumm zu machen, um jemanden zum Tode zu verurteilen. Dem Opfer wurde der Schädel eingeschlagen oder das Genick gebrochen. Dann schlugen die Soldaten wie verrückt auf den Körper ein und was übrigbliebt, spießten sie auf einen Pfahl auf, der durch den Anus getrieben wurde.(35) Ein westlicher Beobachter wurde Zeuge, wie Shaka sechs Kinder, die noch keine zwölf Jahre alt waren, hinrichten ließ. Diese Greueltaten waren eine tägliche Praxis am Hof Shakas.(36)

Nachdem seine Mutter gestorben war, erließ Shaka Befehle, die zum Tod von etwa 7000 Menschen führten. Nicht nur wurden zehn Mägde der Mutter lebendig mit dem Leichnam begraben. Shaka ließ auch alle Schwangeren des Königreichs töten. Nach all dem Morden verkündete er eine Fastenzeit im Andenken an seine Mutter. Für ein Vierteljahr durfte weder Getreide geerntet, noch Milch getrunken werden, noch durfte irgend jemand Sex haben. Diese Anweisungen führten schließlich zur Rebellion der Zulu, die die zehnjährige Terrorherrschaft Shakas beendete.

Gerade in Afrika kam es im 19. und 20. Jahrhundert zu großem Blutvergießen. Daran waren die europäischen Kolonialtruppen natürlich alles andere als unschuldig. Aber auch der Aberglaube vieler Naturvölker und das blinde Vertrauen auf selbsternannte Propheten erwiesen sich in vielen Fällen als fatal. 1905 kam es in Tansania zum sogenannten Maji-Maji-Aufstand (Suaheli für "Wasser, Wasser") der ansässigen Stämme gegen die rücksichtslosen deutschen Kolonial-truppen. Ein Prophet hatte verkündet, die Kugeln der Deutschen würden sich vor dem Aufprall in Wasser verwandeln. Im festen Glauben an die Richtigkeit dieser Prophezeiung kamen Abertausende von Kriegern im Maschinengewehrfeuer der Deutschen um.(37)

Kriege waren nicht nur bei großen Stämmen wie den Zulu verbreitet. Auch kleine Gesellschaften führten mitunter durchgängig Krieg gegen ihre Nachbarn. Die Mae Enge in Papua-Neuguinea befanden sich in einem Dauerzustand des Kriegs um Ackerland mit ihren Nachbarn. 25% aller Todesfälle der männlichen Bevölkerung waren direkte Folge der Kriegshandlungen. Zusätzlich herrschte ein Klima ständiger Angst vor erneuten Angriffen.

Als der angesehene Sozialanthropologe Edward E. Evans-Pritchard 1940 die Nuer im Sudan beschrieb, stellte er fest, daß sie keinerlei soziale Mittel entwickelt hatten, um Streitereien friedlich beizulegen. Laut Evans-Pritchard sagten die Nuer selbst, daß "eine Fehde niemals ende".(38) Ständige Vergeltungen bis hin zum Mord waren normal.

Die Tonkawa in Texas waren, wie viele amerikanische Indianerstämme, Kannibalen. Ihr Appetit auf Menschenfleisch war so groß, daß sich sechs terrorisierte Nachbarstämme, die eigentlich nichts miteinander zu tun hatten, allein durch ihren Haß auf die Tonkawa vereinten, und 1862 die Hälfte der Tonkawa töteten.

Azteken

Und über den weitverbreiteten Kannibalismus kommen wir zu den Azteken Mittelamerikas, denen in Neil Youngs Song all die harmonischen Mythen angedichtet werden, die sich seit Jahrhunderten hartnäckig in der westlichen Gesellschaft halten. In Wahrheit waren die Azteken ein zutiefst grausames Volk mit einigen der widerlichsten Praktiken, die es je in menschlichen Gesellschaften gegeben hat. Das Reich war eine Theokratie, mit einem all-mächtigen Gottkönig an der Spitze und einer kleinen Elite aus Priestern und Generälen darunter. Durch ständige Überfälle auf benachbarte Gesellschaften und daraus resultierende Tributzahlungen und Plünderungen häufte die Militärelite eine große Menge Reichtum an, die jedoch nicht mit der allgemeinen Bevölkerung geteilt wurde. In dieser Praxis unterschieden sich die Azteken natürlich nicht von vielen anderen Gesellschaften aller Zeiten.

Was die Azteken einzigartig machte, war ihr unersättlicher Hunger auf Menschenfleisch. Es wird geschätzt, daß zwischen 15.000 und 250.000 Menschen jährlich im "kannibalistischen Königreich"(39) der Azteken ermordet wurden, indem ihnen die Priester bei lebendigem Leibe das Herz aus der Brust rissen. Man kann von einer richtigen Industrie des Menschenmordens sprechen. Edgerton beschreibt den Ablauf in seinem Buch folgendermaßen: "Die Leichname der Geopferten wurden die Tempelstufen hinabgerollt (die wahrscheinlich so steil waren, um diesen Vorgang zu ermöglichen), wo sie von Männern in Empfang genommen wurden, die sie so geschickt und leidenschaftslos zerlegten, wie jeder Schlachter es mit einer Rinderhälfte tun würde, ehe die verschiedenen Teile davongetragen, gewürzt, gekocht und mit großem Genuß verspeist wurden. Das Verlangen nach Menschenfleisch war so groß, daß viele Kriege aus keinem anderen Grund geführt wurden als dem, Gefangene zu machen, und im Grunde führte man ununterbrochen militärische Einsätze gegen benachbarte Gesellschaften durch."(40) Darüber hinaus wurden gefangene Kinder nicht selten in Käfige gesperrt und dort einem erbärmlichen Hungertod überlassen.

Die Ruinen der Pyramidentempel, die heute als Touristenmagnete dienen, sind steingewordene Zeugnisse eines grausamen und aggressiven Naturvolkes, das seine Größe nur dadurch erreichen konnte, daß es die Angehörigen von Nachbarvölkern zu Tausenden ermordete und als Nahrung benutzte. Cortés, der mit nur 500 Männern in Mexiko gelandet war, hätte die Azteken niemals besiegen können, wenn sich die umliegenden Stämme, die so schrecklich von den Azteken tyrannisiert worden waren, nicht mit größter Bereitwilligkeit am Kampf gegen dieses blutrünstige Volk beteiligt hätten.

Die völlig realitätsferne, romantische Verklärung, die in Songs wie "Cortez the Killer", in Filmen wie "Avatar" oder "Der mit dem Wolf tanzt", in allen möglichen esoterischen Kreisen und bei vielen Umweltaktivisten zu entdeckten ist, zeigt deutlich, wie weit der Kulturrelativismus fortgeschritten ist. Die eigene Kultur wird als schlimmstes Übel angesehen, während die horrenden Zustände in anderen Gesellschaften ausgeblendet werden. Zum einen behindert eine solche Haltung die Verbreitung positiver Errungenschaften der westlichen Welt, wie Rationalität, Individuation und Wissenschaft. Zum anderen macht sie aber auch blind für die wahren Wurzeln der Probleme der eigenen Kultur.

 

Die hier vorgestellten Beispiele treffen natürlich nicht alle auf alle Gesellschaften zu. Ein bestimmtes Naturvolk mag weitaus friedliebender sein als ein anderes. Aber alle haben mit sozialen Konflikten zu kämpfen, die denen der westlichen Zivilisation in nichts nachstehen. Im Gegenteil, in den meisten Fällen sind Mord- und Vergewaltigungsraten viel höher als im Westen, sind massive Depressionen bis hin zum Selbstmord keine Seltenheit. Weder sind die einzelnen Angehörigen von Naturvölkern glücklicher als Menschen im Westen, noch leben sie als Gesellschaften insgesamt harmonischer.

Quellen:

(1) Originaltext von www.lyricsfreak.com; Übersetzung ins Deutsche durch den Autor

(2) Vgl. R. Wockler, Perfectible Apes In Decadent Cultures: Rousseau's Anthropology Revisited (1978), S.107-134

(3) J. Belo, The Balinese Temper (1935), S.120-146

(4) R. Fox, The Violent Imagination (1990), S.3

(5) B. Malinowski, "Anthropology"-Eintrag in der Encyclopaedia Britannica (1936), S.132

(6) G. P. Murdock, Culture and Society (1965), S.146

(7) R. B. Edgerton, Trügerische Paradiese - Der Mythos von den glücklichen Naturvölkern (1994), Ernst Kabel Verlag

(8) A. R. Holmberg, Nomads of the Long Bow: The Sirionó of Eastern Bolivia (1969), S.160

(9) ibd., S.229

(10) R. B. Edgerton, Trügerische Paradiese (1994), S.16

(11) V. MacLean, Magical Medicine. A Nigerian Case-Study (1971), S.84

(12) R. B. Edgerton, A Traditional African Psychiatrist (1971)

(13) K. Rasmussen, The Netsilik Eskimos (1931)

(14) R. Wirsing, The Health of Traditional Societies and the Effects of Acculturation (1985), S.305

(15) zit. nach Hoebel (1954), S.70

(16) B. M. Knauft, Good Company and Violence: Sorcery and Social Action in a Lowland New Guinea Society (1985)

(17) G. E. Hyde, The Pawnee Indians (1974)

(18) R. B. Edgerton, Trügerische Paradiese, S.154

(19) N. A. Chagnon, Yanomami Warfare, Social Organization and Marriage Alliances (1967), S.53ff

(20) R. Wirsing, The Health of Traditional Societies and the Effects of Acculturation (1985), S.305

(21) P. E. Leis, The Nonfunctional Attributes of Twin Infanticide in the Niger Delta (1965)

(22) R. M. Jones, Why did the Tasmanians Stop Eating Fish? (1978)

(23) P. Freuchen, Der Eskimo (1982), S.97

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(40) R. B. Edgerton, Trügerische Paradiese, S.126