Minimalkonsens

In meinem allerersten Video, das ich vor nunmehr sechs Jahren veröffentlicht habe, sage ich am Ende, daß ich nur eine gemeinsame sprachliche Grundlage mit demjenigen finden kann, der meine zuvor dargelegten Definitionen, zumindest für die Länge des Gesprächs, akzeptieren und rigoros anwenden kann. Mit allen anderen, auch das habe ich deutlich gesagt, gibt es keine Kommunikationsbasis und damit erübrigt sich jeder Austausch. Denn so, wie wir reden, so denken wir auch. Jemand, der im Reden nicht fähig ist, Wortbedeutungen stringent zu beachten, wird auch große Probleme haben, einen Gedanken stringent zu verfolgen. Unser Denken ist konditional an das Sprechen gebunden. Das weiß die Entwicklungspsychologie seit langem.

Obgleich ich also von Anfang an klare Sprachregeln vorgegeben habe, um über Physik reden zu können, wurden diese Regeln in den seltensten Fällen eingehalten. Im angeschlossenen, frei zugänglichen ViaVeto-Forum gab ich über die Definitionen zentraler Worte hinaus auch einige Weltsicht-Axiome vor. Nur bei Übereinstimmung mit diesen Axiomen sollte man sich am Forum beteiligen. Auch diese Grundregeln wurden von den meisten nicht beachtet.

Ich will die Situation einmal folgendermaßen verdeutlichen: Meine Webseite, meine Videos und mein Forum sind ein Schachbrett, welches ich mit viel Aufwand geschnitzt habe. Und ich habe ein paar wenige Regeln aufgestellt, deren Beachtung vorausgesetzt wird, will man sich an mein Brett setzen und eine Partie mit mir spielen. Meine Spielregeln habe ich klar benannt und für alle sichtbar dargestellt. Es sind dies die Benutzung der vorgegebenen Wortdefinitionen und der Axiome des Forums.

Man wird nachvollziehen können, daß ich wenig Lust verspüre, jedem, der sich an mein Schachbrett setzt, jedesmal aufs Neue die Regeln erklären zu müssen. Und man wird auch nachvollziehen können, daß ich wenig Verständnis und Toleranz zeige, wenn Leute plötzlich anfangen, ihre Figuren abweichend von den vorgegebenen Regeln zu ziehen. Wer sein eigenes Spiel aufziehen will, kann sich gerne ein eigenes Spielbrett suchen. Ich setze mich grundsätzlich nicht an die Bretter anderer, wenn ich deren Spielregeln nicht teile, und so erwarte ich es auch von denjenigen, die meine Seite besuchen.

Es folgen hier nun nochmals alle Spielregeln, deren Akzeptanz ich von jedem, der sich mit mir über Physik oder die anderen Themen meines Internetauftritts unterhalten möchte, fordere. Ich will es ganz unmißverständlich ausdrücken: Wer das folgende nicht akzeptieren kann, der braucht mit mir über diese Themen nicht zu sprechen. Ich habe kein Interesse daran, mit jemandem zu diskutieren, der diese Grundlagen nicht teilt. Denn dann sind die Weltbilder zu verschieden, als daß man jemals eine gemeinsame Basis finden könnte.
Wer dennoch meint, ich müsse auf seine Meinung eingehen, der sieht sich getäuscht. Ich werde höflich auf diesen Minimalkonsens verweisen und nicht weiter auf ihn eingehen. Es geht mir nämlich nicht darum, Leute mit anderen Weltbildern von meinem zu überzeugen. Jeder kann von mir aus das Weltbild haben, das er gerne haben möchte. Frei nach dem Pipi Langstrumpf Motto: Ich mach' mir die Welt, wie sie mir gefällt.

Jeder kann von mir aus an den Urknallhumbug glauben. Jeder kann von mir aus Einstein anbeten, solange er will. Jeder kann von mir aus an Götter und andere Gespenster glauben. Mir geht es lediglich darum, meine Weltsicht auszuarbeiten und für eine Handvoll Gleichgesinnter darzulegen. Manch einer wird den einen oder anderen Aspekt meiner Ansichten für sich übernehmen, aber andere Aspekte ablehnen. Das ist in Ordnung. Nur interessiert es mich nicht, warum er eine meiner Ansichten für ungerechtfertigt hält. Ich will keine Diskussion über meine Grundansichten. Ich will nicht missionieren oder umstimmen. Es interessiert mich überhaupt nicht, wenn jemand mein Weltbild für falsch hält. Wer dennoch meint, er müsse seine Meinung dazu kundttun, schreibe diese doch bitte in einer x-beliebigen öffentlichen Toilette an die Wand, ich werde sie dann bei Gelegenheit zur Kenntnis nehmen.
Alles, was ich hier bezwecke, ist in Ruhe meine Sicht auszuarbeiten für die wenigen, die damit vielleicht etwas anfangen können. Alle anderen - und das ist die absolute Mehrheit - sind nicht mein Publikum.

Hier sind nun die Spielregeln, an die ich mich halte, und deren Einhaltung ich auch von meinem Gegenüber erwarte.

Folgende Definitionen gelten uneingeschränkt für jede Physikdiskussion:


Objekt: Das, was Form hat.

Raum: Das, was keine Form hat, Nichts

Konzept: Das, was keine Form hat, eine menschliche Vorstellung

Lokation: Die Entfernung eines Objekts zu allen anderen Objekten.

Existieren: Form und Lokation besitzen.

Bewegung / Dynamik: Lokationsänderung eines Objekts.

Rational: Dem Unterschied von Objekt und Konzept Rechnung tragend.

Irrational (im starken Sinne): (a) Objekte wie Konzepte und/oder Konzepte wie Objekte behandelnd; (b) einem Objekt zwei sich gegenseitig ausschließende Eigenschaften unterstellen.

Irrational (im schwachen Sinne): Einem Objekt eine Eigenschaft unterstellen, die in krassem Gegensatz zu allen Erfahrungen steht.

Objektiv: Sich ausschließlich auf Objekte und/oder deren Bewegungen beziehend.

Subjektiv: Sich auf mindestens ein abstraktes Konzept beziehend.

Modell: Eine dreidimensionale Repräsentation eines oder mehrerer Objekte.

Symbol: Ein Objekt, welches anstelle einer ausführlichen sprachlichen Beschreibung eines abstrakten Konzepts präsentiert wird.

Physik: Das rationale Studium von Objekten und deren Bewegungen.

Philosophie: Das rationale Studium von abstrakten Konzepten.

Weltsicht-Axiome

Axiom Materialismus:

Objekte existieren unabhängig von menschlicher Wahrnehmung und menschlichem Bewußtsein. Wenn ein Baum im Wald fällt, und niemand ist da, um es zu hören, macht er natürlich ein Geräusch. Konzepte existieren hingegen nicht. Das Gegenteil wäre der Immaterialismus. Er ist solipsistisch, d.h. hier wird angenommen, daß die äußere Welt vom Beobachter abhängig ist und verschwindet, wenn der Beobachter verschwindet.

Axiom Objektivismus:
Nur Objekte können in der Physik Akteure sein. Mit Konzepten oder Gefühlen kann man keine Scheiben einschmeißen. Das Gegenteil ist der Glaube an Dinge, die keine Dinge sind, also an verdinglichte Konzepte. Dazu gehört auch der weitverbreitete Glaube, es müsse etwas neben Objekten geben. Es gibt ausschließlich Objekte. Bewegungen finden statt.

Axiom Determinismus:
Für jede Wirkung gibt es eine materielle Ursache. Der Glaube, aus nichts könne etwas entstehen, oder es gebe eine Wirkung ohne Ursache ist irrational und ein Erkennungsmerkmal allen primitiven Aberglaubens.

Diese Axiome stellen grundlegende Annahmen dar, die weder falsifiziert noch vollständig bewiesen werden können. Man entscheidet sich, sie anzunehmen, oder man läßt es. Darüber zu diskutieren, ist reine Zeitverschwendung. Es ist eine persönliche Entscheidung, die jeder für sich auf Grundlage seiner persönlichen Biographie treffen muß. Ich kann jemanden, der von Geburt an zu einem Immaterialisten, einem Subjektivisten oder einem Indeterministen gemacht wurde, nicht vom Gegenteil überzeugen. Ich kann niemanden dazu zwingen, meine Definitionen zu verwenden. Und ich will es auch nicht. Wer meine Spielregeln akzeptiert, der darf mitspielen. Wer es nicht tut, dem gehe ich aus dem Weg und der möge mir bitte auch auf intellektueller Basis aus dem Weg gehen.
Die Erfahrungen der ersten sechs Jahre lehren mich, daß ein Minimalkonsens bitter notwendig ist, will man sich nicht in die immergleichen, sinnlosen, zeitraubenden Debatten verstricken. Kommentare, E-Mails und Forumsbeiträge, die diesem Minimalkonsens in irgendeinem Punkt nicht entsprechen, werde ich von nun an ohne Vorwarnung und ohne Begründung löschen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Raphael Haumann